“Zwischen Beton und Boudoir” setzt die Erzählung aus “Zweite Stadt” fort – diesmal aus einem weiblichen Blickwinkel. Denn obwohl die Aktuer:innen dieser Zeit vielseitig waren, formte sich im kollektiven Gedächtnis ein Verständinis von Berlins Stadtgeschichte, das vor allem männlich geprägt ist.
Gerade im Nachtleben zeigen sich geschlechtsspezifische Strukturen besonders deutlich. Während die Clubszene bis heute unter der Hegemonie der Schwulen-Community auf den Tanzflächen zusammenkommt, sind rein weibliche Räume selten. Dabei gab es sie: Orte wie das Boudoir, an denen Frauen* aufeinandertrafen, Netzwerke knüpften, und sich gegenseitig unterstützten. Die Betreiberinnen verwandelten damals eine ehemalige Seifenfabrik in einen Raum, in dem sich Kunst, Musik und hedonistisches Feiern zu einem Experimentierfeld jenseits der maskulinen Norm verbanden.
Noch immer bietet die Berliner Szene eine Umgebung, in der gesellschaftliche Konventionen in Bezug auf Sexualität und Geschlecht bewusst in Frage gestellt werden. Und gleichzeitig wird exponierte Weiblichkeit häufig abgelehnt. Während die Stadt durchzogen ist von öffentlichen Räumen, die überwiegend männlich besetzt sind, bleiben weibliche Gegenentwürfe selten.
Doch urbane Strukturen prägen maßgeblich, wie weibliche Identität wahrgenommen wird und sich entfalten kann. Im Dialog mit (einigen) vergangenen und gegenwärtigen Akteurinnen haben wir deshalb einen Perspektivwechsel vorgenommen. Fotografien, Texte und Archivmaterial schaffen eine alternative Chronik Berlins aus weiblicher Sicht, die aufzeigt, dass Stadtgeschichte auch von Frauen* geschrieben wird. Dabei geht es um Kontinuitäten und Brüche, um Widerstand, um Anpassung – und vor allem um Sichtbarkeit.
Die Ausstellung Zwischen Beton & Boudoir ist eine Spurensuche entlang Vergangenheit und Gegenwart; die Untersuchung einer Stadt im Wandel. Und sie ist auch eine Aufforderung an Frauen*, sich Raum zu nehmen.
*: Wir verwenden die Schreibweise Frauen*, um den Begriff über eine binäre Geschlechterordnung hinaus zu öffnen. Gemeint sind damit nicht ausschließlich Cis-Frauen, sondern auch Trans-Frauen, intergeschlechtliche, nicht-binäre und genderqueere Personen, die sich (ganz oder teilweise) als weiblich identifizieren oder gesellschaftlich als solche gelesen werden.
Mit Arbeiten von Emily Dodd-Noble, Ann-Christine Jansson, Lucia Jost , Annette Hauschild, Marina Monaco, Frieda von Wild, Janin Afken und Katharina Voß.
Vollständige Werkliste auf Anfrage.